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Alles wird gut

Installation in der Kunstvilla Nürnberg, 2014
div. Materialien, ca. 15 qm

Wie ich gleichzeitig Zwergenküche, ehemaliges Ammenzimmer und zukünftiger Besucherraum geworden bin

Der Hund weiß alles. Irgendwann hat er damit angefangen. Trotz des Verbots meiner damaligen Bewohnerin scharrte er immer wieder an dem Putz meiner Westwand, bis es hervorschimmerte.
Das ist jetzt schon ein paar Jahre her.
Während der letzten Wochen haben viele Menschen viele Stunden an mir gearbeitet, redselige Menschen.
Meist ging es um die Kellergeschichte. Bei Kabelverlegungsarbeiten wurde hinter einem losen Sandstein ein niedriges, nicht verzeichnetes Gewölbe entdeckt und darin befanden sich insgesamt 19 kleine Herde. Die Elektriker meinen, es wirke so, als seien sie vor kurzem noch benützt worden, wohl wegen dem bizarren Geruch, den der Raum hielt: „ungefähr so, als wären Kadaver karamellisiert worden“.
Dieser Fund wird unterschiedlich bewertet.
Die Einen sehen einen Zusammenhang zu dem großen Konvolut kleiner Flaschen und Gläser, das im vorderen Keller gefunden, als verwunderliche Vorratshaltung ehemaliger Bewohner eingeschätzt und sogleich entsorgt wurde.
Andere glauben sich jetzt erinnern zu können, dass den Kindern des Hauses während des Krieges eine Spielküche eingerichtet worden war, um die langen Aufenthalte im Schutz bietenden Keller zu verkürzen. Sie finden nur seltsam, dass die Herde aus sieben Jahrzehnten stammen.
Die Kunststudentin, die gerade bei mir die Herde installiert, interessiert sich nicht für diese Theorien und findet es „einfach nur ganz wunderbar, so eine gefundene Sammlung auszustellen, die sozusagen schon in der Villa geboren wurde.“ Seit die Kellerküche nun bei mir ist, frisch herausgeputzt wie meine Wandmalereien, steht hier jeden Morgen ein Gläschen mit der Aufschrift „alles wird gut“. In dem heutigen war ein winziges Gehirn, wie von einer Maus, eingelegt in eine Flüssigkeit.
Die Leitung der Kunstvilla hat zum Krisengespräch geladen, denn die Stimmung auf der Baustelle ist angespannt. Die Einen verdächtigen die Anderen, sich einen Scherz zu erlauben. Wieder Andere haben Angst und wollen erst wieder arbeiten, wenn die Herde aus dem Haus sind. Jemand hat einen Ausschnitt aus dem Duden über mein schönes neues Zwergenzimmerschild geklebt: ein Herd sei eine Stelle, von der aus sich Übles verbreite.
Noch einmal Andere finden es sehr schön, dass hier offenbar ein Trank gebraut wird, mit dem alles gut wird, von wem und aus was auch immer.
Die Kunststudentin möchte die Gläschen als Sammlung zeigen und misst dafür schon den Nebenraum aus.